Stellungnahmen zum Aufstellen von Kreuzen in Marbach

(10.03.2017) — Franziska Friedrich

Am 4. und 5. März 2017 haben Gegner der Errichtung einer Moschee in Erfurt-Marbach das Kreuz als Symbol für ihre bizarre Protestaktion genutzt. Erst eines, später zwei meterhohe Holzkreuze wurden auf einem Grundstück neben dem geplanten Bauplatz der Moschee aufgestellt.

Der Marbacher Pfarrer Ricklef Münnich meint: "Das ist kein Christus-Kreuz". Vielmehr wird ein Kulturkampf "Kreuz gegen Minarett" inszeniert von Menschen, die sich der Kirche gar nicht zugehörig fühlen. Das sei ein Missbrauch eines christlichen Symbols.

Gemeinsame Erklärung von Evangelischer Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und Bistum Erfurt vom 14. März 2017:

Vor dem Hintergrund des Streits um die geplante Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt-Marbach rufen das Bistum Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland zu Besonnenheit auf. Die Bischöfe der beiden Kirchen, Bischof Ulrich Neymeyr und Landesbischöfin Ilse Junkermann, wenden sich klar gegen einen Missbrauch des Kreuzes als Kampfeszeichen:

"Das Kreuz als Symbol des Christentums ist ein Zeichen der Gewaltlosigkeit, kein Kampfeszeichen. Das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist, steht für Gottes Liebe zu den Menschen, und zwar zu allen Menschen. Wir sind aufgerufen zum Dialog und dem Respekt vor anderen Menschen und Religionen. Wer das Kreuz benutzt, um - egal in welche Richtung- Stimmung zu machen gegen Andersdenkende oder andere Glaubensrichtungen, missbraucht dieses christliche Symbol.

Die verbalen Angriffe verschiedener Initiativen in den sozialen Netzwerken führen hierbei nur zu weiteren Eskalationen in diesem Streit. Die Worte, die die Gruppen wählen, haben nichts zu tun mit der christlichen Botschaft von Nächsten- und sogar Feindesliebe."

Zu dem geplanten Moschee-Neubau in Erfurt-Marbach sagen die Bischöfe der beiden christlichen Kirchen:

"Unser Grundgesetz ist hier klar: Religionsgemeinschaften haben das Recht auf die freie Ausübung ihrer Religion. Dieses Recht gilt selbstverständlich auch, wenn sich Religion in Architektur ausdrückt. Deshalb begrüßen wir als christliche Kirchen den Moscheeneubau in Erfurt. Wer die Religionsfreiheit infrage stellt, sollte sich fragen, ob er auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht."

Der Senior des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt, Dr. Matthias Rein, fragt in seiner Predigt vor amerikanischen Studierenden im Gottesdienst des Evangelischen Augustinerklosters zu Erfurt:

"Was bedeutet uns das Kreuz als Zeichen für den Tod und die Auferstehung Jesu?
Christus ist für uns Menschen gestorben, um eine Brücke zwischen Gott und Menschen zu bauen und um die Macht des Todes zu überwinden. Es geht um Überwindung von Grenzen und Mauern, es geht um Versöhnung. Diese Botschaft gilt allen Menschen. Aus dieser Botschaft leben wir Christen und diese Botschaft der Versöhnung sagen wir in der Welt weiter. Diese Botschaft wird von der christlichen Gemeinde in Marbach gelebt. Der Bau der Moschee dort wird die Möglichkeiten der christlichen Verkündigung nicht einschränken, er wird die Menschen herausfordern, sich mit einer anderen Religion zu befassen und sich zu positionieren. Im Respekt vor dem anderen, im Geist der Liebe Gottes zu allen Menschen, auch zu Menschen ohne religiöses Bekenntnis oder mit einer anderen als der christlichen Religion.
Auch das Zeichen des Kreuzes bleibt mehrdeutig und wird missbraucht.
Wir sind in der Passionszeit eingeladen, unser eigenes Verstehen des Kreuzes zu bedenken, seiner Bedeutung für uns und die Welt nachzusinnen und Jesus auf dem Kreuzesweg zu folgen."

Pfarrer Ricklef Münnich führte ein längeres Gespräch beim Erfurter Radio F.R.E.I. mit der Journalistin Kathrin Büchner. Das Interview lässt sich auf der Website des Kirchspiels Marbach-Salomonsborn nachhören.

Antenne Thüringen und die Landeswelle Thüringen brachten einen kürzeren Beitrag, in dem neben Pfarrer Münnich auch Mohammad Suleman Malik von der Ahmadiyya Gemeinde Erfurt zu Wort kommt. Er ist hier zu hören.



 


 

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25.11.2017
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