16.09.2019
"Den Finger immer wieder in die Wunden legen"

"Die Offene Arbeit hält seit 40 Jahren den prophetischen Ruf der Kirche wach. Sie fragt nach Gottes Willen für diese Welt und legt den Finger immer wieder in die Wunden." Das sagte Senior Dr. Matthias Rein in seinem Grußwort, mit dem er am Samstag das lange und engagierte Wirken der Offenen Arbeit in der Erfurter Michaeliskirche würdigte. Hier das Grußwort zum Nachlesen.

Liebe Schwestern und  Brüder,
meine sehr geehrte Damen und Herren,
„Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Gräuel getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und wissen nichts von Scham.  Darum sollen sie fallen unter den Fallenden, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie stürzen, spricht der Herr.“ So heißt es im Buch des Propheten Jeremia im 6. Kapitel. Seit 40 Jahren kommen Menschen in der Offenen Arbeit Erfurt zusammen und hören auf die prophetischen Worte in der Heiligen Schrift. Sie misstrauen dem Ruf „Friede! Friede!“. Die Mächtigen  in der DDR riefen gern und viel so. Und auch nach der Wende verstummte dieser Ruf nicht. „Wir leben in der besten aller Welten!,“ obwohl Unrecht, Not und Leid das Leben vieler beherrschte.
Die Offene Arbeit hält seit 40 Jahren den prophetischen Ruf der Kirche wach. Sie fragt nach Gottes Willen für diese Welt und legt den Finger immer wieder in die Wunden. Dafür danken wir Ihnen allen herzlich.
Und ein zweites Wort aus der Heiligen Schrift will ich ins Gedächtnis rufen. „Von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Gott wird unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat's geredet.“ So heißt es beim Propheten Micha.
Seit 40 Jahren kommen Menschen in der Offenen Arbeit Erfurt zusammen und folgen dieser Verheißung Gottes für unsere Welt: Frieden statt Krieg, Gerechtigkeit statt Unrecht, Liebe statt Hass. Die Menschen in der Offenen Arbeit sind nicht nur einfach gegen etwas, sind die großen Mahner. Sie leben von einer Vision und einer Zusage, von einer Hoffnung und einem Ziel für diese Welt. Und sie haben dies übertragen in das Programm des konziliaren Prozesses: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung  - vor 40 Jahren so aktuell wie heute.
Vieles hat sich zum Guten geändert in den letzten 40 Jahren in Erfurt und in der Welt, vieles ist erreicht worden. Manches bleibt bis heute und weiterhin  Herausforderung und Aufgabe. Herzlichen Dank den alten und neuen Freunden der Offenen Arbeit, den Unterstützern und natürlich den Aktiven für  Werkstätten und Ausstellungen, für Protestaktionen und Konzerte, für den Einsatz für die Schwachen und Unterdrückten, für lauten und leisen Widerstand, für den Mut und den langen Atem.
Herzlichen Dank für Ihr Mitwirken und Gestalten des prophetischen Amtes der Kirche und das Wachhalten der Vision Gottes für diese Welt! Wir wünschen Ihnen weiterhin Glaubensstärke, Hoffnung und Beharrungsvermögen!
Und wir bitten für Sie und für uns alle um Gottes Segen und Gottes Bewahrung auf allen Wegen.